[Tag 5] Blogwoche zu „Freak like me“ – Eine Szene aus Jasons Sicht

Heute dürft ihr euch über eine Szene aus dem Buch freuen, die eigentlich aus der Sicht von Ann geschrieben ist. Hier ist sie allerdings aus der Sicht von Jason zu lesen.
Nacht

Ich blickte zu dem rothaarigen Mädchen, das gerade von Gwen angesprochen wurde. Mit wackeligen Beinen stand sie auf, aber nahm vorher den Sekt an sich, der auf dem Tisch stand. Sie geriet ins Schwanken, woraufhin ich meine Hände an ihre Hüften legte, um sie vor dem Umfallen zu bewahren. Suchend schaute Ann sich um, blickte mir direkt in die Augen.
„Danke“, hörte ich sie leise nuscheln, ehe sie sich rasch abwandte.
„Kein Problem. Ich komme mit“, verkündete ich, weil ihre Koordinationsfähigkeit absolut abgeschaltet hatte. Außerdem wollte ich nicht, dass irgendein widerlicher Kerl sie einfach anfassen konnte. Die Prinzessin wurde von Gwen mitgezogen und schien es ziemlich eilig zu haben. Mike und Gwen klebten schon den ganzen Abend aneinander und waren am rumturteln. Ich hatte nur darauf gewartet, dass sie irgendwann in einer Ecke verschwanden.
Wir traten aus der muffigen Kneipe und angenehme Nachtluft umgab mich. Sofort füllten meine Lungen sich mit der frischen Luft, während Ann vor mir gierig aus der Sektflasche trank. Hatte die Kleine denn noch nicht genug?
Gwen flüsterte Emma etwas zu, zog Mike, der hinter mir gewesen war, in eine Sackgasse. Die Sackgasse in der ich zum ersten Mal erfahren durfte, was es hieß, sich mit Ann Clancy anzulegen. Es war eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit gewesen und ich konnte in dem Moment ihre Hand wieder auf meiner Wange spüren.
 „Habe ich dir hier nicht eine Ohrfeige verpasst?“, vernahm ich Anns nachdenkliche Stimme, als ich mich gegen die Wand lehnte. Ungewollt stahl ein Grinsen sich auf meine Lippen, während ich das Mädchen neugierig beobachtete.
 „Ja, hast du. Und eine ziemlich heftige.“ Langsam nickte Ann, betrachtete plötzlich interessiert ihre Schuhe, ohne weiter auf meine Aussage einzugehen. Eigentlich hatte ich erwartet, dass sie mir vorhalten würde, dass ich es nicht anders verdient hätte. Aber ich hatte nicht ihren Alkoholkonsum berücksichtigt, der heute Abend unnormal hoch gewesen war. Zumindest schätzte ich das so ein.
 „Habe ich große Füße?“, lallte Ann und lehnte sich neben mich an die Wand, ohne den Blick von ihren Schuhen zu wenden. Ich warf einen Blick auf die zierlichen, kleinen Füße und versuchte zu verstehen, was in ihrem Kopf vorging.
„Nein. Ich glaube, du hast nur zu viel getrunken“, antwortete ich lachend, weil ich mal wieder keine Ahnung hatte, was das Mädchen dachte. Undurchschaubar. Das war Ann selten und doch viel zu oft.
„Papperlapapp. Soviel war das nicht“, protestierte die Prinzessin sogleich und setzte mit der Flasche an. Theoretisch gesehen hätte ich sie nicht davon abhalten sollen, denn was war amüsanter, als jemand, der einen Kater hatte? Mir war allerdings klar, dass sie so oder so einen Kater haben würde, weswegen ich kurzerhand die fast leere Sektflasche von Ann nahm und den Rest austrank, um sie vor weiterem Alkoholkonsum zu schützen.
 „Das war mein Alkohol!“, fuhr Ann mich sogleich von der Seite an, schlug mir gegen die Schulter. Doch sie geriet ins Wanken, anstatt mir. Tja, blöder Alkohol, würde ich sagen.
 „Du bist betrunken“, sagte ich, griff dabei nach ihrem Arm und bewahrte sie vor dem Umfallen. Nicht, dass sie sich noch eine Platzwunde zuzog und ich am Ende mit ihr ins Krankenhaus musste. Ich war nämlich auch nicht mehr ganz alleine, was ich merkte, als sich ein ungewohntes Kribbeln in meinem Magen ausbreitete. Ann blickte mich direkt an mit ihren verfluchten grünen Augen, die mich gerade völlig unerwartet aus der Fassung brachten.
 „Du auch“, antwortete Ann trotzig, schien von meiner Verwirrtheit nichts mitbekommen zu haben. Zum Glück.
„Aber nicht so betrunken wie du.“ Ich konnte mir ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. Der Prinzessin schien das nicht besonders zu gefallen, denn sie sah plötzlich ziemlich wütend aus.
„Pft. Ich bin noch nüchtern genug um zu wissen, dass du ein Arschloch bist und die Finger von mir nehmen sollst“, fuhr sie mich an, versuchte ihren Arm aus meinem Griff zu lösen. Ich beobachtete sie kurz dabei, wie sie gegen mich kämpfte und natürlich bitter verlieren würde. Ich war einfach stärker als sie.
 „Ich glaube, wir sollten nach Hause gehen“, entschied ich und lehnte Ann so gegen die Wand, dass sie nicht umfallen konnte.
„Warte kurz.“ Mit diesen Worten hatte ich mich umgedreht und ging schnell in die Gasse, in der das Liebespärchen verschwunden war. Eine Sekunde lang beobachtete ich, wie Mike seine Zunge in Gwens Hals schob und unterdrückte einen Würgereiz.
„Hey, ich bringe Ann mal nach Hause. Sie ist ziemlich betrunken und ich will nicht, dass sie Ärger bekommt. Wir stehen also nicht mehr für euch Schmiere“, erklärte ich dem Pärchen, das mich nicht beachtete. Ich wartete auf eine Reaktion, die nicht kam und drehte mich um. Ich hatte sie informiert. Sollte nun etwas schief gehen, war ich dafür nicht mehr verantwortlich. Ich ging zurück zu der Prinzessin, die wahrscheinlich keinen Frosch mehr von einem Otter unterscheiden konnte.
 „Komm, wir gehen“, sagte ich und Ann drehte sich um und ich wurde direkt angezickt.
 „Mit dir gehe ich nirgendwo hin. So billig bin ich nun auch nicht“, keifte sie, wandte ihre hübschen grünen Augen von mir. Stirnrunzelnd betrachtete ich das rothaarige Mädchen.
 „Was ist dir denn über die Leber gelaufen?“, wollte ich wissen, doch sie schien mich nicht mehr wahrnehmen zu wollen.
 „Männer“, fluchte Ann, machte gleichzeitig ein paar wackelige Schritte. Eben noch hätte ich sie festgehalten, doch jetzt hatte ich Bedenken noch so eine fiese Ohrfeige zu kassieren wie damals. So beobachtete ich das Mädchen neugierig wie sie ein wenig schwankend loslief. Eine gerade Linie war das garantiert nicht und irgendwie fand ich sie ganz unterhaltsam.
 „Was hat dir die böse Männerwelt denn angetan?“, amüsierte ich mich über ihr zickiges Verhalten, mit dem ich sie morgen wahrscheinlich nerven konnte.
 „Die böse Männerwelt hat mich ausgenutzt, verarscht und hintergangen“, knurrte Ann neben mir. Verwirrt betrachtete ich die Schönheit, konnte nicht verstehen wie sie das meinte. Ann konnte man weder hintergehen, noch verarschen? Und gleichzeitig musste ich an Isabelle denken und wie sie mich aufs Kreuz gelegt hatte. Irgendetwas ziepte ekelig in mir.
 „Wie meinst du das?“, hakte ich neugierig nach, schob dieses widerliche Gefühl beiseite.
 „Deine Isabella hat dich nur fertig gemacht. Meine erste große Liebe hat mich nicht beachtet, obwohl ich das tollste, schönste Mädchen der Schule war!“ Sie klang wütend, enttäuscht und doch ….
 „Ich hätte das nicht beachtet werden vorgezogen, glaube ich“, sagte ich trocken. Das was zwischen mir und Isabelle passiert war, wünschte ich nicht mal meinem schlimmsten Feind.
„Hättest du nicht. Nicht, wenn du jeden und alles hättest haben können. Und dieser eine Junge, der schaut dich nicht mal mit dem Arsch an. Und als du ihn dann gefragt hast, ob er mit dir ausgehen will, hat er nur gelacht und dich dummes Huhn genannt“, flüsterte Ann sichtlich verletzt. Ich blickte das hübsche, betrunkene Mädchen an, das so hilflos wirkte in dem Moment. So einsam.
„Was für ein Arschloch“, stimmte ich zu, was die Prinzessin dazu veranlasste weiter zu reden
„Der eine Kerl lässt dich sitzen, weil du zu viel trainierst und für den Rest bist du nur ein Pokal oder ein Zeitvertreib. Ich bin ein verschissener Pokal!“, brüllte Ann aufgebracht, weckte damit wahrscheinlich den einen oder anderen Schlafenden auf.
„Bist du nicht“, hörte ich mich mit sanfter Stimme sagen, wusste selber nicht, wieso ich sie beruhigen wollte. An den Menschen, die um uns herum in ihren Betten schlummerten, lag es jedenfalls nicht.
„Ach komm schon. Sei ehrlich. Du hast das gesamte Kaff schon geknallt. Du bist ein Eisklotz.“ Wumms. Das war irgendwie ein fieser Schlag unter die Gürtellinie. Und es störte mich unglaublich, dass Ann von mir so schlecht dachte. Ich war weder ein Vollidiot, noch ein Arschloch. Ich wollte nicht, dass sie irgendwann über mich sprach wie über andere Typen.
 „Ich muss zugeben, dass ich schon einige hatte. Aber mit allen war ich noch nicht im Bett.“
„Stimmt. Ich habe dich noch nicht rangelassen“, murrte das Mädchen neben mir. Ich biss mir auf die Lippe, versuchte diesen bitteren Beigeschmack im Mund zu verdrängen. Hatte ich nicht vor ein paar Sekunden daran gedacht, dass ich nicht wollte, dass sie schlecht von mir dachte? Scheinbar hatte ich meine Chancen schon verpasst, ihr eine vernünftige Seite von mir zu zeigen.
„Ich habe nicht vor dich zu knallen“, murmelte ich leise, wagte es nicht in diese unglaublichen Augen zu schauen.
„Nicht? Na dann herzlichen Glückwunsch. Du bist der Erste, der mich nicht als Spielzeug sieht“, fauchte die Prinzessin.
„Ich verstehe nicht, wie die Typen dich haben fallen lassen können“, gab ich zu, warf Ann einen Blick von der Seite zu. Und ich verstand es wirklich nicht. Diese perfekte gerade Nase, die schönen Wangen, diese hammermäßigen Augen, der unglaubliche Körper, der unter den verrückten Klamotten versteckt war…
Was zum Teufel dachte ich da für einen Mist!?
 „Das sagst du jetzt. Jetzt, wo ich anders bin. Wenn du mich früher gekannt hättest, hättest du mich auch nur flachgelegt und wärst danach abgehauen“, riss das Mädchen mich aus meinen verrückten Gedanken.
 „Wie warst du denn früher?“ Ich hatte keine Sekunde über diese Frage nachgedacht. Sie war einfach so über meine Lippen gekrochen und ich wusste, dass für meine Offenheit und diese wirren Gedanken der Alkohol verantwortlich war!
„Ich bin betrunken, aber nicht so betrunken, dass du mich ausfragen kannst“, ließ sie mich abblitzen, kniff ihre Augen zusammen und deutete anklagend mit ihrem Zeigefinger auf mich.
 „Es war nur eine Frage.“ Ich hob abwehrend meine Hände, wollte nicht schon wieder Ärger bekommen. Im gleichen Moment bemerkte ich, dass sie den falschen Weg einschlug. Ich griff nach ihrem Arm und im selben Moment war in meinem Bauch wieder dieses Gefühl…
 „Andere Richtung“, wies ich die Prinzessin an und nickte in die entgegengesetzte Richtung.
 „Das habe ich gewusst“, sagte sie leicht überheblich, was meine Mundwinkel leicht zucken ließ. Natürlich kannte Ann den Weg. Wie hätte ich nur etwas anderes denken können?
 „Wieso können Typen mich nicht mögen, so wie ich bin?“, wollte sie leise wissen. Der traurige Unterton und die schwindende selbstbewusste Haltung wischten das Grinsen von meinen Lippen. „Ich meine, selbst ihr haltet mich für den Inbegriff eines heißen One-Night-Stands!“, zischte Ann. „Bin ich echt so schrecklich, dass keiner es mehr als zwei Stunden mit mir aushält?“ Ich hatte das Gefühl, dass meine Prinzessin dabei war zu ertrinken. Alleine, im tiefen kalten Wasser, obwohl sie eigentlich einen Rettungsinsel hatte. Nur schien die ein Loch zu haben und so warf ich ihr meinen Rettungsring zu, den sie hoffentlich sah.
„Ich habe es einen ganzen Abend mit dir ausgehalten“, hörte ich mich sagen und sie wandte ihr hübsches Gesicht zu mir.
 „Du bist ein Aufreißer. Darum bist du es gewöhnt, einen Abend mit grauenvollen Mädchen zu verbringen“, ließ sie mich auflaufen. Nein, sie hatte den Rettungsring definitiv nicht bemerkt. Also musste ich wohl noch einen draufsetzten, was man auch nur dem Alkohol zuschreiben konnte.
 „Ich finde dich aber nicht grauenvoll.“
„Du sollst doch nicht lügen.“ Wollte sie nicht, dass ich ihr half, oder war sie einfach zu deprimiert?
 „Wieso denkst du, dass ich lüge?“, wollte ich interessiert von dem Mädchen neben mir wissen.
„Weil Typen immer lügen, was so was angeht“, knurrte Ann trotzig.
„Du hast wirklich ein schlechtes Bild von Männern“, seufzte ich leise, weil mein Versuch, sie aufzubauen, kläglich gescheitert war.
 „Das hat die Männerwelt selber erreicht.“ Hatte sie das? Waren wirklich alle Kerle schlecht? Ich öffnete die Haustür und hielt diese für Ann auf. Vielleicht halfen wenigstens diese kleinen Gesten, ihr zu zeigen, dass ich kein Arschloch war. Mit wackeligen Schritten und sich an das Geländer klammernd kletterte die Prinzessin regelrecht die Stufen hinauf. Ich blieb hinter ihr, so dass ich sie auffangen konnte, wenn sie fiel. Egal wie man das Fallen und Fangen jetzt interpretierte. Und so wiederholte ich die Prozedur mit dem Türaufhalten an unserer Wohnung.
Möglichst leise liefen wir durch den Flur, wobei Ann ziemlich viel stolperte. Es war ein Wunder, dass mein Vater nicht aufwachte. Wenn ich alleine gewesen wäre, hätte ich bestimmt nicht so ein Schwein gehabt. Mit Ann hingegen schien mir das Glück hold zu sein. Auch wenn dieser Zustand bestimmt nicht ewig andauern würde. Das rothaarige Mädchen schaffte es in mein Zimmer, blieb vor ihrem Bett stehen und blickte aus dem Fenster in die dunkle Nacht. Ihre Augen waren glasig und sie schien unendlich weit weg zu sein. Irgendwo an einem Ort, an dem es ihr nicht gut ging. Sie wirkte einsam, verlassen und hilflos wie sie dort stand. Ich wollte ihr helfen, aber ich wusste nicht wie. Das Einzige, was ich tun konnte, war sie von ihren Gedanken zu befreien, sie abzulenken.
 „Ist alles okay?“, fragte ich die Prinzessin leise. Ihr ferner Blick wanderte zu mir. Sie fixierte mich und schien jedes Detail von mir wahrnehmen zu wollen. Ich kam mir irgendwie nackt vor, war dieses Gefühl nicht gewohnt, was mich ziemlich irritierte wie so vieles an diesem Abend.
„Nein. Es ist nicht alles okay“, antwortete sie ehrlich.
„Was ist…?“, setzte ich an, konnte jedoch nicht weitersprechen, weil das hübsche Mädchen vor mir plötzlich ihr T-Shirt auszog. Was zur Hölle ging hier vor sich?! „Ann? Was wird das?“, wollte ich unsicher wissen, konnte jedoch nicht verhindern, dass meine Augen über diesen unglaublichen Körper wanderten und bei der Unterwäsche hingen blieben. Heiliger Schweinemist. Ann ließ das T-Shirt fallen, kam plötzlich näher, während ich mich versuchte daran zu erinnern, dass das heiße Mädchen Ann war. Sie stand direkt vor mir und ich hätte mich nur zwei Zentimeter nach vorne beugen müssen, um diese herrlichen Lippen zu spüren, die unglaublich verboten und schrecklich verführerisch wirkten.
 „Zeig mir, dass ich begehrenswert bin“, murmelte Ann und ehe ich etwas erwidern konnte, lagen ihre Lippen auf meinen. Ihre Hände legten sich abrupt in meinen Nacken, hinderten mich daran wegzukommen, wobei ich das eigentlich gar nicht vorhatte. Es fühlte sich gut an. Unglaublich gut. Mein Gehirn drohte auszusetzten und ich hoffte, dass Ann gleich wegsacken würde. Folter. Etwas anderes war das nicht. Gleichzeitig stellte sie meine Selbstdisziplin auf Proben, die ich nie zuvor erfahren hatte.
Vorsichtig legte ich meine Hände auf ihre Hüften, hätte sie eigentlich näher ran ziehen wollen, doch ich zwang mich, sie wegzudrücken. Auch wenn ich das nur halbherzig versuchte. Vor allem, weil sie mir eben noch erzählt hatte, was sie von Typen hielt, wollte ich sie nicht verletzten. Ihre Zunge strich plötzlich langsam über meine Lippen und mein Blut verließ so langsam mein Gehirn, wanderte in andere Gegenden meines Körpers, die definitiv nicht rational waren. Sie ließ nicht los, klammerte sich an mich, als wäre ich alles für sie. Ich versuchte meine sieben Sinne beisammen zu halten, dachte an alte Frauen, aber ihr Geruch, die Lippen, das alles verdrängte die Bilder von alten runzeligen Frauen. Ann hielt mir den Adamsapfel hin. Entweder biss ich hinein, oder nicht und verletzte sie. Was für eine verzwickte Situation!
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